Alle Ausgaben / 2014 Bibelarbeit von Gerlinde Baumann

Die im Himmel sitzt, lacht

Gottes Lachen im Alten Testament

Von Gerlinde Baumann

Für Gott gäbe es im Alten Testament gute Gründe, zu lachen oder sich zu freuen: über die erfolgreiche Erschaffung der Welt, über die Errettung seines Volkes aus Ägypten, über den gelungenen Kontakt zu den Propheten Gottes oder darüber, dass Gottes Menschen sich weiterentwickeln.

Doch wer beim Lesen des Alten Testaments auf ein befreites Lachen Gottes als Ausdruck göttlicher Freude hofft, wird enttäuscht. Zwar lacht Gott – aber es ist kein fröhliches Lachen. Schauen wir auf die Texte, die einen überraschenden Blick darauf zulassen, wie Gottes Lachen und Gottes Humor im Alten Testament gesehen wird.

Zunächst einmal zum Lachen selbst. „Lachen“ wird im Hebräischen des Alten Testaments mit dem Verb sachaq bzw. zachaq ausgedrückt. Während die Grundform ganz allgemein „lachen“ bedeutet, kann das Verb in der Intensivform auch „scherzen, spielen“ heißen. Das Verb in all seinen Formen und Ableitungen wird im Alten Testament nicht besonders häufig verwendet. Liegt das daran, dass doch eher ernste Sachverhalte geschildert werden?

Wie lacht Gott?

In drei Versen ist ausdrücklich vom Lachen Gottes die Rede. Psalm 2 schildert das Szenario, dass sich die Könige der Welt gegen Gott und den von Gott gesalbten König auflehnen wollen. Doch der himmlische Gott (wörtlich: „der im Himmel thront“), verlacht dieses Vorhaben (Vers 4 1):

Die im Himmel sitzt, lacht. Die über uns gebietet, spottet über sie.

Gott bekräftigt, fest an der Seite des von Gott selbst erwählten Königs zu stehen, und warnt die Könige der Erde, gegen diesen besonderen König anzugehen. Spott und Warnung dienen dazu, deutlich zu machen, dass Gott seinen „Gesalbten“, den erwählten König, ganz gewiss nicht im Stich lassen wird. Das Lachen Gottes ist hier eindeutig kein frohes, unbeschwertes Lachen, sondern ein Verlachen oder Verspotten. Diese Lesart wird dadurch bestätigt, dass im zweiten Teil des Verses davon die Rede ist, dass Gott die König der Erde „verspottet“.

Ist dies im nächsten Text anders, in dem die Rede vom göttlichen Lachen ist? Psalm 37 befasst sich mit einem ganz anderen Thema. Er ermutigt weise und gerechte Menschen, auf Gott zu vertrauen, auch wenn die Übeltäter(innen) eine Zeitlang vermeintlich die Oberhand behalten können. Und auch wenn „Gottlose“ oder „Frevler“ – wie es in älteren Bibelübersetzungen heißt – gegen einen gerechten Menschen Übles planen. Denn, so Vers 13:

Gott, mächtig über alle, verlacht sie, er sieht, dass sein Tag kommt.

Gemeint ist damit der Tag des Untergangs. Dieses Lachen verrät die Position der Überlegenheit, in der sich der lachende Gott befindet. Denn Gott weiß, dass sich seine göttliche Gerechtigkeit am Ende durchsetzen wird. Auch dieses Lachen ist also ein triumphierendes und eher spöttisches Lachen, kein freudiges oder befreites. In Psalm 37,13 wird der Frevler ebenso verlacht wie schon in Psalm 2,4 die Könige der Erde.

In einer ähnlichen Situation der Verfolgung durch ungerechte Menschen befindet sich der betende Mensch in Psalm 59, dem dritten Text über das göttliche Lachen. Die Feinde der betenden Person verbünden sich gegen sie, umzingeln sie, lauern ihr auf. Doch sie ist sich gewiss, dass ihr Gott beistehen wird. Denn, so Vers 9:

Du, ha-Makom, verlachst sie. Du spottest über alle Völker.

In ganz ähnlicher Weise wie Gott in den erwähnten drei Psalmen lacht auch die göttliche Weisheit. In Sprüche 1,26f kündigt sie an:

Darum werde ich über euer Unglück lachen;
ich werde spotten, wenn der Schreck in euch fährt,
wenn die Katastrophe wie ein Unwetter über euch hereinbricht
und euer Unglück wie ein Sturmwind wütet,
wenn euch Angst und Schrecken überfallen.

Der Grund für dieses Lachen ist die Weigerung der Menschen, auf die Mahnung zum rechten Leben zu hören, und sich sehenden Auges ins Unglück stürzen (Spr 1,22-33).

Im Alten Testament wird also nicht häufiger davon gesprochen, dass Gott selbst oder ein Wesen in seiner Nähe lacht. Erschöpft sich damit das alttestamentliche Lachen Gottes im Verlachen, im triumphierenden Verspotten? Und wird damit die positive Seite des Lachens, die Freude, Unbeschwertheit und Fröhlichkeit Gott im Alten Testament nicht zugeschrieben? Um dieser Frage nachzugehen, weiten wir unsere Suche auf einige Texte aus, in denen nicht so eindeutig vom göttlichen Lachen die Rede ist wie in den drei besprochenen Psalmen.

Göttliches Lachen, indirekt

An zwei Stellen im Alten Testament ist indirekt vom Lachen Gottes die Rede – aber auch dies nur unter Vorbehalt, denn beide Texte sind mehrdeutig.

Zum einen geht es um den Namen Isaak. Isaak ist einer der Erzväter Israels und der Sohn von Abraham und Sara. Die Nachricht von der Schwangerschaft Saras wird Isaaks Eltern in schon deutlich vorgerücktem Alter überbracht, und zwar beiden Elternteilen jeweils für sich. Abraham wird direkt von Gott davon in Kenntnis gesetzt (Gen 17,17), und er lacht ungläubig. Sara hört ein Gespräch zwischen ihrem Mann und drei Gottesboten mit, die Abraham die Nachricht von der künftigen Elternschaft noch einmal überbringen (Gen 18,10-12). Sara glaubt zunächst an einen Scherz und lacht ebenfalls über die Botschaft. Dafür wird sie gerügt – aber das ist eine andere Geschichte.

Ein zweites Mal geht es ums Lachen, als der Name Isaak in Gen 21,6 gedeutet wird: „ein Lachen hat mir Gott bereitet“. An dieser Stelle kann sich der Name Isaak auch auf die ungewöhnliche, „lachhaft“ späte Geburt beziehen. In der alttestamentlichen Forschung wird vermutet, dass der Name Isaak ursprünglich noch etwas länger war und den Gottesnamen beinhaltete. Dann wäre Isaak ein sogenannter Wunschname, wie er im Alten Testament und seiner Umwelt häufig vorkommt, und würde bedeuten: „Möge Gott lächeln/ lachen [über das Kind]“.2 Damit wäre ein huldvolles Lachen voller Segen über das Neugeborene gemeint – und damit eine ganz andere Art des Lachens, als wir sie bei den drei besprochenen Psalmen und dem Vers aus dem Sprüchebuch kennengelernt haben.

Im zweiten Beleg für ein möglicherweise fröhliches göttliches Lachen kommt ebenfalls das Verb sachaq vor. Hier allerdings ist der Bezug zu Gott noch etwas vager als in der Genesis, und es steht zudem die Intensivform von sachaq, die meist „scherzen, spielen“ bedeutet. In Psalm 104 wird die göttliche Schöpfung in ihren einzelnen Werken und in ihrer wunderbaren Ordnung gepriesen. Ein Teil dieser Schöpfung ist auch der Livjatan (oder Leviatan), den Gott geschaffen hat, „um mit ihm zu spielen“ (Vers 26). Der Livjatan ist eigentlich eine Art Seeungeheuer, ein mythologisches Urwesen, das aus der Umwelt Israels bekannt ist. Im Alten Testament steht der Livjatan sonst meist für eine gefährliche Macht, die sich gegen Gott wendet. Dass er hier von Gott geschaffen wurde, um mit ihm zu spielen, wäre eine deutliche Entmachtung dieses Untiers. Allerdings ist der hebräische Text nicht so eindeutig, wie viele Bibelübersetzungen es glauben machen. Die hebräischen Worte könnten genauso gut bedeuten, dass der Livjatan geschaffen wurde, um „in ihm“ zu spielen – im Meer nämlich. Dies wäre dann ein Hinweis auf die Vielzahl der unterschiedlichen Tiere, die Gott auch in den Bereichen der Welt geschaffen hat, von denen die Menschen nicht unbedingt Kenntnis haben müssen. Doch die erste Bedeutung lässt sich nicht eindeutig ausschließen, und so könnte in Psalm 104,26 ein Hinweis auf eine spielende Aktivität Gottes liegen.3

Göttliche Ironie

Wenn wir unsere Suche nach dem Lachen Gottes noch ein Stück weiter ausdehnen und auch die mögliche Ironie in Gottes Rede in Betracht ziehen, dann werden wir im Alten Testament ebenfalls fündig. Mindestens an zwei Stellen werden Gott Worte zugeschrieben, die sich ironisch verstehen lassen.4 Zum einen ist dies in Numeri 11,18-20 der Fall. Nach langen Monaten der Wüstenwanderung beklagt sich das Volk Israel bei Gott darüber, dass es immer nur Manna zu essen bekommt. Diese Speise ist zwar nahrhaft und erfüllt so ihren Zweck, dem Volk das Überleben zu sichern, aber sie ist kein kulinarischer Genuss. In dieser Situation erinnert sich das Volk sehnsuchtsvoll an das Fleisch, den Fisch und das Gemüse, welche es in Ägypten immer kostenlos zu essen bekommen hat. Da kündigt Gott an, dass das Volk Israel nun monatelang nur Fleisch zu essen bekommen soll – wörtlich: „bis ihr es nicht mehr riechen könnt und es euch zum Kotzen wird“5 (Num 11,20). Gott reagiert damit sarkastisch auf das Ansinnen Israels, nicht immer das gleiche Manna essen zu müssen. So wird Gott hier ein eher schwarzer Humor zugeschrieben.

Eine andere Stelle, an der Gott (auch) ironisch auf einen alttestamentlichen Protagonisten reagiert, findet sich in den sogenannten Gottesreden des Hiobbuches. Hiob wird das Opfer einer Wette, zu der sich Gott vom Satan verleiten lässt. Hiob ist eigentlich der mustergültige Fromme. Doch Satan hat Zweifel daran, dass Hiob auch dann noch gerecht und gottesfürchtig ist, wenn ihm aller Besitz und seine Familie genommen werden. Er hält Hiob eher für einen „Schönwetter-Gläubigen“. Damit Gott die Ehre seines Gerechten Hiob retten kann, muss Hiob nun tatsächlich alles verlieren, was ihm lieb und teuer ist. Als Reaktion darauf zweifelt Hiob zwar an Gottes Gerechtigkeit und geht mit Gott hart ins Gericht, aber er flucht oder lästert nicht über ihn, wie es Satan vorausgesagt hatte. Doch die Anwürfe Hiobs lassen Gott seinerseits nicht unberührt. Auf Vorwürfe wie den, er sei kein gerechter Weltenherrscher, sondern eher ein Tyrann und Despot (Hiob 9,24), antwortet Gott ausführlich am Schluss des Hiobbuches. In den beiden Gottesreden (Hiob 38,1-40,2; 40,6-41,26) macht Gott in poetischer Weise und mit Verweisen auf Schöpfung und Weltordnung deutlich: Er kann das Recht auf der Welt zwar nicht immer und überall gleichzeitig gewährleisten, doch es gibt andererseits auch keinen besseren Weltenrichter als ihn.

Die beiden Gottesreden beginnen mit Aufforderungen Gottes an Hiob, die man durchaus ironisch verstehen kann. Denn Gott fordert Hiob auf, ihn nun seinerseits zu belehren (Hiob 38,3), da Hiob ja wohl dabei gewesen sei, als die Welt erschaffen wurde und alle Grenzen zwischen den Elementen abgesteckt wurden (38,4-11):
„Das weißt du schließlich alles, denn du wurdest ja damals geboren“ (38,21). In der zweiten Gottesrede unterstellt Gott dem Hiob in ironischer Redeweise, dass dieser angesichts seiner Kritik an Gott dann wohl über die Fähigkeit verfüge, alle Frevler und Übeltäter der Welt in ihre Schranken zu weisen (40,9-13). Wenn dies – so Gott – tatsächlich so sei, dann werde er, Gott, nun beginnen, Hiob zu preisen (40,14).
Dieser ironische Umgang mit der harten Anfrage an sein eigenes Gerechtigkeitsschaffen lässt sich durchaus als Zeugnis für ein beträchliches Maß an göttlichem Humor verstehen.

Lässt sich Gott zum Lachen bringen?

So sind wir auf der Suche nach dem göttlichen Lachen auf einigen Umwegen doch noch fündig geworden. Auch wenn es sich dabei meist nicht um ein positives, fröhliches Lachen handelt, sondern eher um die dunklere, sarkastische und ironische Seite des Humors.6

Auf eine weitere biblische Passage sei noch hingewiesen, die als Hinweis auf ein etwas unbeschwerteres göttliches Lachen gedeutet werden kann – auch wenn darin nicht die Rede davon ist, dass Gott lacht. Doch Anlass hätte Gott dazu. Denn in Spr 8,30-31 spielt die Weisheit vor Gott. Sie ist hier als Gottes Liebling vorgestellt, als ein Wesen, das Gott ganz nah ist und bereits vor der Weltschöpfung erschaffen wurde. Diese Verse zeichnen nur in Andeutungen eine Szene, in der die Weisheit vor Gott spielt und spricht: „Ich war an seiner Seite als Schoßkind; ich war das Vergnügen Tag für Tag und spielte vor ihm die ganze Zeit. Ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte mein Vergnügen an den Menschenkindern“ (Spr 8,30-31).7 Die Weisheit wird als eine Art gottähnliches Wesen geschildert, das wie ein Kind vor Gott spielt. Das Verb für „spielen“ haben wir bereits kennengelernt – es ist das gleiche sachaq, mit dem in der Grundform das Lachen zum Ausdruck gebracht wird und das hier in der Intensivform „spielen, scherzen“ verwendet wird. Die Weisheit spielt oder scherzt vor Gott. Sie ist in seiner Nähe, vor ihm, und spielt die ganze Zeit. Da das Gedicht über die Erschaffung der Weisheit (Spr 8,22-31) in der Zeit vor und während der Weltschöpfung angesiedelt ist und damit zeitlich nicht bestimmt ist, bleibt der Zeithorizont weit – es könnte sein, dass die Weisheit seit der Zeit vor der Weltschöpfung bis in die Unendlichkeit vor Gott spielt. Wie Gott auf dieses Spiel der Weisheit vor seinem Angesicht reagiert, wird leider nicht geschildert. Doch mit etwas Phantasie müsste Gott hierauf doch mindestens mit einem Lächeln antworten …; aber diese Ausmalung des Bildes liefert uns der alttestamentliche Text nicht.

Die Menschen als göttlicher Witz?

Schließlich sei noch auf einen Text hingewiesen, der in der Sicht der Theologin und Clownin Gisela Matthiae voller Humor und Wortwitz steckt – wenn man einige Bibelübersetzungen in die Auslegung mit einbezieht. Es geht um die Erzählung von Paradies und Menschenschöpfung in Gen 2,4b-3,24. Matthiae schreibt: „… auch die Geschichte von Adam und Eva im Paradies kann als Komödie gelesen werden – zumindest auf assoziativer Ebene. Vermutlich hat das englische Wort ‚Clown‘ seinen Ursprung in ‚clod‘ oder ‚klunt‘, also ‚Klumpen‘, ‚Klotz‘, auch ‚klotzige Person‘, ‚Tölpel‘; verwiesen wird auch immer wieder auf den lateinischen Begriff ‚colonus‘ für ‚Bauer‘. Gott hat nach dieser Etymologie Adam und Eva sozusagen aus dem Rohmaterial eines jeden Clowns geschaffen, er hat Clowns geschaffen. Wie solche benehmen sie sich dann auch im Paradies. Anstatt die Regeln Gottes zu befolgen, siegen die Neugierde und der Appetit, zwei Grundzüge eines jeden Clowns. Dabei war das Verbot, von diesem Baum zu essen, wirklich das Einzige, das sie zu befolgen hatten. Und so beginnt die Geschichte der Menschheit mit gierigen, genusshaften Menschen, die sich nicht gerne an Regeln halten, und seien sie auch von Gott höchstpersönlich erlassen.“8

Folgt man dieser Deutung, dann ist der Mensch als Schöpfungswerk Gottes kein wirklich gelungenes Produkt göttlichen Schaffens. Ob Gott angesichts dessen gelegentlich ins Schmunzeln kommt? Möglich wäre es, doch das Alte Testament gewährt uns leider keinen Einblick in diese Seite des göttlichen Innenlebens.

Fazit

Was lässt sich angesichts der betrachteten Texte über das göttliche Lachen sagen? In der Darstellung des Alten Testaments erscheint Gott nur dreimal eindeutig als lachend (Ps 2,4; 37,13; 59,9). Dabei lacht Gott nur spöttisch und aus einer Position der Überlegenheit über Übeltäter oder negativ dargestellte Figuren. Gleiches gilt für die göttliche Weisheit (Spr 1,26). Allerdings ist es möglich, dass Gott nicht nur diese dunkle Seite des Humors zugeschrieben wird, sondern dass sich göttlicher Humor auch in der Namengebung „Isaak“ findet (Gen 18;21), und dass Gott den Livjatan als sein Spielzeug – zur mutmaßlich fröhlichen Aktivität – geschaffen hat (Ps 104,26). Daneben wird Gott auch Ironie zugetraut, wie aus Num 11,18-20 und den rhetorischen Fragen Gottes an Hiob (Hiob 38,1-40,2; 40,6-41,26) hervorgeht. Ob Gott allerdings über die vor ihm spielende Weisheit (Spr 8,30-31) und über die von ihm geschaffenen Menschen (Gen 2,4b-3,24) schmunzeln kann, bleibt im Dunkeln. Im Alten Testament scheint es demnach nicht möglich, sich Gott nur als eindeutig fröhlichen oder ausgelassenen Charakter vorzustellen. Vielleicht ist es etwas tröstlich, dass Gott dabei immerhin nicht humorlos ist.

Bibelarbeit in der Gruppe

Kopiervorlagen der verwendeten Texte für AbonnentInnen unter www.ahzw-online.de/Service zum Herunterladen vorbereitet

Hinführung
„Der Mensch dachte, Gott lachte“ – das steht so nicht in der Bibel, ist aber vielen von uns geläufig. Welche Assoziationen, Gefühle, Gedanken löst der Spruch in mir aus? – Austauschrunde

Biblischer Befund
Lassen Sie uns heute einmal schauen, was das Alte Testament über Gottes Lachen und Gottes Humor zu sagen hat. Welche Bibelstellen fallen uns in dem Zusammenhang ein? – zusammentragen

Zunächst drei Stellen, in denen ausdrücklich vom Lachen Gottes die Rede ist: Ps 2,4 (siehe VV2-6); Ps 37,13 (siehe VV1f.5f.11-13); Spr 1,26f (siehe VV24-28) – Bibeln oder Kopien verteilen – laut lesen

Impuls: (1) Über wen lacht Gott? Warum? Wie? (2) Was kommt in diesem Lachen Gottes zum Ausdruck? (3) Welche Gefühle löst dieses Lachen Gottes in mir aus?

Zwei andere Stellen reden nicht ausdrücklich von Gottes Lachen – aber sie enthüllen in gewisser Weise einen göttlichen Sinn für Humor: Nachdem das Volk Israel irgendwann kein Manna mehr sehen kann und nach Fleisch verlangt (vgl. Num 11,1-8), lässt Gott seine Antwort über Mose ausrichten. – Num 11,18-20 vorlesen. Ähnliche Szenen finden wir in Hiob 38 und 40, den beiden Gottesreden am Ende des Buchs, in denen Gott auf Hiobs Anfragen an seine Gerechtigkeit antwortet. – Hiob 38,3f.21 und 40,9-14 laut lesen

Impuls: Welche Art von Lachen bzw. Humor Gottes kommt hier zum Ausdruck?
Welche Gedanken und Gefühle löst das bei mir aus?
Wechseln wir jetzt einmal die Perspektive: Wie fühlt sich das Lachen Gottes „von oben herab“ an, wenn wir es aus der Perspektive der Opfer menschlicher Ungerechtigkeit hören? – Ps 59,3-11 vorlesen; kurzer Austausch

evtl. zur Abrundung Kap. „Göttliches Lachen, indirekt“ als Ergänzung lesen.

Übertragung
Menschen „von oben herab“ auslachen, das kennen wir gut: aus den Medien ebenso wie aus unserem persönlichen Umfeld. – kurz nachdenken; je eine Situation, in der ich die Lachende war und in der ich so „verlacht“ wurde, erzählen: Wie war das? Wie fühlte sich das an?

Abschluss
Wir haben – auf der Suche nach dem Lachen Gottes im Alten Testament – viel über unfrohe Seiten des Lachens nachgedacht, aber auch die andere Seite entdeckt: das „hämische“ Lachen Gottes als „Waffe der Unterdrückten“, deren befreites Lachen am Ende stehen soll. – Ps 126,1-3 vorlesen.

So geht mit Gottes Segen.
Möge Lachen auch euern Mund füllen,
und möget auch ihr erfahren:
„Großes hat der Ewige an uns getan,
wir sind es, die sich freuen!“
Wo ihr mit Tränen sät – mit Jubel werdet ihr ernten.

Prof. Dr. Gerlinde Baumann, geb. 1962, ist u.a. Autorin, Übersetzerin und Lektorin theologischer Texte und apl. Professorin für Altes Testament am Fachbereich Ev. Theologie der Philipps-Universität Marburg. Marburg – https://gerlinde-baumann.de

Anmerkungen
1) Die wörtlichen Zitate sind hier wie im Folgenden der Bibel in gerechter Sprache entnommen. Übernommen wurde dabei auch die wechselnde grammatikalisch weibliche bzw. männliche Form.
2) So Rüdiger Bartelmus, Artikel ´s¯ah.aq/s.¯ah.aq, Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament Bd. VII, Stuttgart 1993, 730-745, hier: 735.
3) So Bartelmus, 742-743.
4) Zur Ironie Gottes siehe: Karl Friedrich Ulrichs, Gott im Spott. Ironie im Alten Testament, Zeitschrift für Gottesdienst und Predigt 31 (2013), Heft 2, 2-4, hier: 3.
5 So die Übersetzung von Ulrike Sals in der Bibel in gerechter Sprache (Ulrike Bail u.a. [Hg.], Gütersloh 2006).
6) Über die unterschiedlichen Arten des Humors und ihre Vorkommen in der Bibel siehe Gisela Matthiae, Humor (AT), www.wibilex.de, 2009.
7) Dazu mehr in: Gerlinde Baumann, Die Weisheitsgestalt in Proverbien 1-9. Traditionsgeschichtliche und theologische Studien, Tübingen 1996, 139-140.
8) Gisela Matthiae, Clownin Gott. Eine feministische Dekonstruktion des Göttlichen, Stuttgart 1999, 281.

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