Alle Ausgaben / 2006 Artikel von Ilona Eisner

Dir sage ich, steh auf!

Vom Wunder der Auferweckung zu neuem Leben

Von Ilona Eisner


Die Geschichten von der Auferweckung der Tochter des Jairus und von der Heilung der blutflüssigen Frau werden von Matthäus, Markus und Lukas gleichermaßen ineinander verwoben erzählt. (Mt 9,18-26, Mk 5,21-43, Lk 8,40-56). Zwei auf den ersten Blick so unterschiedliche Geschichten, die aber, wie wir sehen werden, bei genauerer Betrachtung in ihrer wunderbaren Lebensnähe viel gemeinsam haben.

Es geht um die Heilung bzw. Auferweckung von Frauen. Beide verbindet die Zahl 12: während die eine seit zwölf Jahren leidet, beschließt die andere nach zwölf Jahren Lebenszeit, aus dem Leben zu gehen. Während die eine an der Disfunktion ihrer Weiblichkeit leidet, dem Dauerblutfluss, kommt die andere gerade in die Geschlechtsreife. Die eine wird zur Frau, die andere verliert ihr Frau-Sein mit ihrem Blut. Beide Frauen werden durch Berührung geheilt. Die eine berührt selbst, die andere wird berührt. In beiden Fällen kann Heilung geschehen, weil jemand „nur glaubt“. Es stehen sich ein Mädchen und eine Frau gegenüber, eine Heilung auf der Straße, also in der Öffentlichkeit, und eine Auferweckung im Geheimen, im Haus. Einmal geschieht die Heilung bewusst und in voller Absicht der Kranken, Leidenden, einmal geschieht sie unwissentlich auf die Bitte einer anderen Person hin, in unserem Fall des Vaters Jairus.

Im Hinblick auf die Jahreslosung: „Siehe ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?“ haben beide Geschichten Interessantes vorzuweisen. Um dem auf die Spur zu kommen, möchte ich sie einzeln betrachten, wobei ich der Auferweckung der Tochter des Jairus die größere Aufmerksamkeit widmen werde. Doch zunächst einige Überlegungen zur Heilung der blutflüssigen Frau.

Heilung

Wir erfahren über die blutflüssige Frau, dass sie bereits seit zwölf Jahren an dieser Krankheit leidet. Sie hat all ihre Habe für die Behandlungen bei verschiedenen Ärzten aufgebraucht und am Ende hat es ihr nichts gebracht. Da die jüdischen Menstruationsgesetze (Lev 12, 15, 18, 19 und 20) den Frauen lediglich sexuellen Kontakt und den Gang zum Tempel verbieten, sie ansonsten in ihren alltäglichen Arbeiten nicht eingeschränkt sind, ist nicht davon auszugehen, dass die Frau sozial ausgegrenzt war oder durch ihre Berührung alles und alle verunreinigt hätte. Die Kräfte zehrende Krankheit und die damit verbundenen psychischen Qualen werden aber auch ohne Absonderungsbestimmungen für ihre soziale Isolation gesorgt haben. Dazu kommt die Ausweglosigkeit ihrer Lage. Denn durch teuer bezahlte, aber sinnlose Therapien, Medikamente, Diäten, Kuren war sie verarmt. Alles, was sie hatte, hatte sie hergegeben – und obendrein ihre Hoffnung. In der Begegnung mit Jesus flammt diese Hoffnung noch einmal auf. Sie hat nichts mehr zu verlieren, warum also nicht einen letzten Versuch wagen?

Die Berührung Jesu lässt viele Deutungen zu. Einige meinen, sie habe den Saum seines Mantels berührt – angesichts der Länge der Gewänder müsste sie dazu auf die Knie gefallen sein, was meines Erachtens in einer großen Volksmenge einem Selbstmord gleich käme. Andere reden von „Kleidung“, legen sich aber nicht weiter fest. Eine Berührung der Kleidung, des Stoffes, des bloßen Materials wäre mir allerdings zu wenig, um die heilende Kraft in Bewegung zu setzen. In der „Bibel in gerechter Sprache“ wird anstatt Saum oder Kleidung mit Quasten übersetzt. Diese bildeten den Abschluss des Gebetsmantels, den die Rabbinen und Frommen mit den Gebetsriemen trugen, die helfen sollten, die Gebote Gottes nicht zu vergessen. Jesus als jüdischer Rabbi und Lehrer trug als Zeichen seiner Verbundenheit mit Gott solch einen Gebetsmantel und Gebetsriemen. Wenn die Frau die Quasten dieser symbolischen Kleidung berührt, drückt sie damit ihre Hoffnung auf die Hilfe durch Gott aus und nicht auf pure Zauberei. Sie gibt sich als Schriftkundige zu erkennen und sieht in Jesus den jüdischen Mann, mit dem Gott ist. Erst mit diesem Glauben und dieser Verbundenheit zu Gott, kommt dynamis (Kraft – Erfahrung) in Bewegung und ermöglicht Heilung.

Und Jesus spürt sehr wohl die Besonderheit dieser Berührung, empfindet die dynamis, die von ihm ausgeht. Das ist keine der zufälligen Berührungen, wie sie in einer solchen Menschenmenge zuhauf vorkommen. Und er will wissen, wer sich seiner Kraft bediente und warum. Nur so erfährt er „die ganze Wahrheit“ und erkennt den Glauben der Frau, der sie zu dieser Symbolhandlung veranlasst hat. Sie hat auf die ganze Kraft Gottes gehofft – und sie hat sie für sich erfahren. Und so konnte für sie nun doch noch, nach so langer Zeit, etwas Neues entstehen. Das Neue wird möglich, und ihr Leben bekommt eine andere Qualität, weil, indem sie die Gotteskraft erkennt und ihre ganze Hoffnung genau darauf setzt.

Auferweckung

Wie aber sieht das nun bei der Tochter des Jairus aus? Ich werde mich dieser Geschichte von verschiedenen Seiten nähern, um möglichst viele Aspekte in den Blick zu bekommen.

Da wäre zunächst die Altersangabe von zwölf Jahren. Im Kontext Palästinas geht es damit nicht um ein kleines Mädchen, sondern um eine heiratsfähige Frau. Damals gehörten die Kinder zum Besitz des Vaters. Im jüdischen Rechtskorpus, der Mischna, haben Mädchen je nach Alter einen unterschiedlichen Status. Während ein dreijähriges Mädchen eine Jungfrau ist, ist sie mit zwölfeinhalb Jahren bereits völlig unabhängig vom Vater und damit autonom. Bis dahin aber hat der Vater die Gewalt über die Tochter. Er kann sie bei Verarmung oder Schuldknechtschaft verkaufen, ihm gehört der Ertrag ihrer Arbeit und er bekommt den Brautpreis. Viele Mädchen wurden daher mit zwölf Jahren verheiratet, ungeachtet der (gesundheitlichen) Folgen.

Da der Vater um die Heilung und das Leben seiner Tochter bittet, kann davon ausgegangen werden, dass die Tochter noch nicht verheiratet ist und somit im Haus des Vaters lebt. Zu den Motiven seiner Bitte lässt sich Unterschiedliches denken; sowohl der materielle Verlust des Brautpreises durch ihren Tod als auch die nur bei Lukas erwähnte Tatsache, dass es die einzige Tochter und damit Erbin des Jairus ist, können angenommen werden. Die von uns heutigen Menschen so gern angenommene Liebe des Vaters zu seinen Kindern ist eher unwahrscheinlich, weil Kinder zu biblischen Zeiten im Haus des Vaters keinen anderen Status als Sklaven hatten. Vielleicht spielte auch die Stellung des Jairus als Synagogenvorsteher eine wichtige Rolle; die Menschenmenge, die im Haus ist und die Tochter beweint, zeugt von einer Bekanntheit des Kindes, die, angesichts der hohen Kindersterblichkeit, über die normalerweise zu erwartende Anteilnahme am Tod eines Kindes hinausgeht. Wie dem auch sei, der Vater und Synagogenvorsteher Jairus bittet den „Wanderrabbi“ Jesus für seine kranke Tochter. Er fällt vor ihm auf die Knie und vertraut sich ihm an. Jesus reagiert zunächst nicht mit Worten. Einzig wird gesagt, dass er mit ihm geht.

Und was könnten die Ursachen für den Tod des Kindes sein? Auch hier können wir Verschiedenes annehmen. Da wäre zunächst natürlich eine unheilbare Krankheit. Und auch diese hätte Ursachen. Am Ende der Geschichte steht kurz und knapp die Anweisung ihr zu essen zu geben. Litt sie an einer Krankheit verursacht durch Mangel- bzw. Unterernährung? Den Kindern wurde das Essen vom Vater zugeteilt. In Not- und Hungerzeiten, wenn Nahrungsmittel äußerst knapp waren, gab es nichts zum Verteilen. Die Vormachtstellung der Väter in den Familien lässt aber auch Willkür in der Ernährung der Kinder zu. Ein rabbinischer Text aus der Mischna überliefert eine Diskussion, in der es um die Ernährung der Töchter und das Erben der Söhne geht: „Der Vater ist nicht verpflichtet, seine Tochter zu ernähren … Die Söhne erben und die Töchter werden ernährt; wie nun die Söhne erst nach dem Tode ihres Vaters erben, so werden die Töchter auch erst nach dem Tode ihres Vaters ernährt.“ (1) Es gibt für die Väter zunächst keine Verpflichtung zur Ernährung ihrer Kinder. Weiterhin kann angenommen werden, dass in Notzeiten die Ernährung der Söhne der der Töchter vorgezogen wurde, da der Weitergabe der männlichen Linie eine höhere Bedeutung zukam. Dass dem Mädchen nach seiner Auferweckung zu Essen gegeben werden soll, ist einzigartig. In keiner anderen Heilungs- oder Auferweckungsgeschichte kommt dies vor.

Ein anderer Gedanke beschäftigt mich: Welche Bedeutung kommt in dieser Geschichte dem Tod zu? Die Einfügung der Erzählung von der Heilung der blutflüssigen Frau und die damit erreichte Zeitverzögerung und gesteigerte Dramatik können nicht die einzigen Gründe für die Schilderung des Sterbens des Mädchens sein. War ihr Tod möglicherweise freiwillig? Stand eine Verheiratung bevor, der sie sich entziehen wollte? Wollte sie sich möglicherweise vorhandenen Lebensbedingungen und unterdrückenden Gesetzen entziehen? War sie bereits des Lebens müde, weil unter römischer Besatzung ein menschenwürdiges Leben in Frieden nicht in Aussicht war? War der Tod der einzige Ausweg – aus welcher Not auch immer? Ich denke, dass der Wunsch, in prekären Situationen lieber tot zu sein, auch vielen von uns nicht fremd ist. Ob der Anlass gar nicht so schlimm oder die Worte nur so dahin gesagt sind, ob die Situation banal oder wirklich aussichtslos ist: Wer will das beurteilen? Die Tochter des Jairus könnte sich in einer ähnlichen Situation befunden und sich für den Tod entschieden haben. Vielleicht weniger durch einen Suizidversuch, als durch Verweigerung gegenüber dem Leben. Es liegt auf der Hand, dass ihr dadurch Leid und Unterdrückung und vielleicht auch große Armut erspart bleiben würden.

In dem Zusammenhang möchte ich noch folgenden Hinweis zu bedenken geben: „Tod ist Beziehungslosigkeit. Leben ist Beziehung. Diese Bestimmung versteht den Menschen nicht als in sich geschlossenes Individuum, sondern in dem Geschehen der vielfältigen Beziehungen seiner Lebenszeit. Es sind dies die Beziehungen und Gegenbeziehungen von Ich und Du, Ich und Wir, Ich und Ihr, Ich und Es und Ich und Ich. In der Beziehung zu anderen Menschen, einzelnen und Gruppen, nahen und fernen, zu Umwelt und Verhältnissen geschieht menschliches Leben. Der Tod ist das Ende dieser Beziehungen vom Ich her wie von den Anderen her. … Wird aber Leben als Beziehung und Tod als Beziehungslosigkeit verstanden, dann muss man weiter ausgreifen.“ Es gibt zahlreiche Beispiele die zeigen: „Sterben beginnt viel früher als auf dem Sterbebett. Überall dort, wo das Verhältnis von Ich zu Du und Wir und Es und Ich in der gegebenen Zeit gestört ist, wo Entfremdung eintritt, wo Beziehung abbricht, da ereignet sich Tod, da ereignet sich Töten. … Von Menschen geschaffene Verhältnisse und Sachzwänge kehren sich nicht nur gegen andere, sondern ihre Urheber selbst. … Dieser ‚andere' Tod, dieses ‚andere' Sterben sind Lebensverfehlungen, sind Töten auf vielfältige Weise. … Töten und Sterben ereignet sich bereits in der Lebenszeit bei misslingender, unglücklicher und entfremdeter Beziehung … dabei kann solche Entfremdung bis zur Beziehungslosigkeit gehen.“ (2) Könnte auch diese Art der Beziehungslosigkeit eine Ursache für das Sterben des Mädchens gewesen sein? Oder steht der Tod in dieser Geschichte beispielhaft für die Beziehungslosigkeit der Menschen untereinander und gegenüber ihrer Um-Welt im Kontext von Gewalt, Hunger und Unterdrückung angesichts der politischen Situation? Ist es leichter zu sterben, als zu leben?

Doch wir wissen: Jesus lässt es nicht bei diesem Sterben. In allen drei Evangelien, die von dieser Geschichte berichten, geschieht Auferweckung. Jesus greift das Mädchen bei der Hand und befiehlt: Steh auf! Er wendet sich dem Mädchen zu, berührt sie – wie lange hat sie vielleicht auf diese Art von Zuwendung verzichten müssen? – und spricht sie an. Sein Wort gilt ihr und nur ihr: Mädchen, Kind, ich sage dir, dir sage ich: steh auf! Liegt vielleicht in dieser Zuwendung, in dieser Berührung, in dieser Aufforderung das Geheimnis des Lebens für die Tochter des Jairus? Klar ist für mich, dass genau in diesem Moment die dynamis ins Spiel kommt, jene Kraft, von der wir bereits bei der Heilung der blutflüssigen Frau gehört haben. Die Kraft, die Veränderung hervorbringt und Wunder möglich macht, auch das Wunder der Auferweckung vom Tod. Hat der Glaube an die Auferstehung den Menschen die Gewissheit gegeben, dass Umkehr immer möglich ist? Ist Auferstehungsglaube Lebensermöglichung in ausweglos scheinenden Situationen? Den ZeugInnen, HörerInnen und LeserInnen dieser Geschichte mag es wohl so vorkommen. Und so könnte diese Geschichte für uns eine Hoffnungsgeschichte ohne Grenzen sein.

Und für die Tochter des Jairus? Gehe ich davon aus, dass sie einen natürlichen Tod infolge einer Krankheit starb, ist die Auferweckung ebenfalls Lebensermöglichung in den bestehenden Verhältnissen. Gehe ich davon aus, dass sie sich freiwillig vom Leben verabschiedete, um den bestehenden Verhältnissen zu entfliehen, möchte ich dabei nicht stehen bleiben. Dann bekommt sie gegen ihren Willen eine zweite Chance, eine Aufforderung, etwas Neues und Besseres daraus zu machen. Das Neue nimmt seinen Anfang, wächst auf und will erkannt werden, um mit den Worten Jesajas zu sprechen. Der, welcher ihr diese zweite Chance gab, kann ihr auch den Weg zeigen, der zum Neuen, zum Besseren führt. Für mich wäre es nur logisch, wenn sich dieses Mädchen in der Schar der Jesusbewegung wieder gefunden hätte. Das ist uns nicht überliefert, aber es beflügelt mich, mir dieses vorzustellen.


Für die Arbeit in der Gruppe:

Ziel
Die Erzählung zur Auferweckung der Tochter des Jairus und der Heilung der blutflüssigen Frau kann 2007 in Verbindung mit der Jahreslosung Jes 43,19a bearbeitet werden. Erkennen, wachsen und Neues entstehen lassen sind zentrale Themen in dieser Erzählung, deren Lebensnähe entdeckt werden kann. Darüber hinaus können die TeilnehmerInnen über die Geschichte angeregt werden, über eigene Erfahrungen mit Krankheit und Heilung nachzudenken.

Zeit
1,5 – 2 Std., je nach Gruppengröße und Redefreudigkeit der TeilnehmerInnen

Material
Jahreslosungskarten mit Text (Bezug: Ev. Frauenhilfe in Deutschland; siehe Adresse im Impressum);
Flipchart, Stifte, Textblätter für alle
(für AbonnentInnen der ahzw im Internet www.ahzw.de unter Service zum Herunterladen vorbereitet);
dunkle und helle Tücher oder Tüll, Steine, trockene Zweige, Tischlampen oder Kerzen, goldenes und / oder silbernes Geschenkband für die Ecken; eine Spirale kann aus dem gelegt werden, was die Leiterin für geeignet hält (z.B. Baumwollstreifen), eine Brücke kann symbolisch mit Tesakrepp auf dem Boden angedeutet werden

Ablauf
Einleitung:
Auf jedem Platz liegt zur Begrüßung eine Jahreslosungskarte mit Text. Die TeilnehmerInnen werden nach Vorlesen der Losung gebeten, ihre spontanen Reaktionen dazu mitzuteilen und sich darüber auszutauschen, was es bedeutet, etwas Neues zu schaffen und zu erkennen, dass es wachsen muss.

Textarbeit:
Als Beispiel zur Jahreslosung soll die Heilungs- und Auferweckungsgeschichte vorgestellt und näher betrachtet werden. Auf dem Flipchart ist eine Tabelle zu sehen. Die eine Spalte trägt die Aufschrift: „Frau, die seit 12 Jahren an Blutfluss leidet“, die andere: „Tochter des Jairus“. Die Spalten sind durch eine Linie in je zwei große Felder geteilt, am linken Rand steht im oberen Feld „Gemeinsamkeiten“ im unteren „Unterschiede“. Die TN erhalten ein Textblatt A-4 im Querformat. Auf der einen Seite stehen die Verse zur Heilung der blutflüssigen Frau, auf der anderen die zur Auferweckung der Tochter des Jairus. Dabei ist es für den Gesamtzusammenhang der Geschichte hilfreich, die Verse in ihrer Reihenfolge zu belassen, aber die je zu einer Geschichte gehörenden nach rechts oder links zu verschieben. Die Geschichten werden nacheinander zuerst im Zusammenhang gelesen, so wie sie in der Bibel stehen. Die TN werden in zwei Gruppen geteilt. Die eine Gruppe legt ihre Aufmerksamkeit auf die Heilungsgeschichte, die andere auf die Auferweckungsgeschichte. Die Geschichten werden von einer Frau der jeweiligen Gruppe gelesen. Gemeinsam werden nun die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Geschichten gesammelt und von der Leiterin in die dazu gehörende Spalte eingetragen.

Umsetzung:
Gegenüberliegende Seiten oder Ecken im Raum sind verschieden gestaltet: die eine Seite als dunkle Seite, symbolisch für Krankheit und Tod, die andere als helle Seite, symbolisch für Heilung und Leben.
Die TN begeben sich zuerst in die dunkle Ecke / auf die dunkle Seite und werden aufgefordert sich auszutauschen über die Erfahrungen, die sie mit Krankheit und Tod gemacht haben und die Einschnitte, die sie dadurch hinnehmen mussten. Bei größeren Gruppen können die gegenüberliegenden Ecken jeweils anders gestaltet werden, so ergibt sich die Möglichkeit, mit zwei Gruppen gleichzeitig zu arbeiten. Die Leiterin ergänzt im Hinblick auf die möglichen Erfahrungen der beiden Frauen im Text; diese können aus den Vorüberlegungen entnommen werden.
Die Mitte des Raumes symbolisiert die dynamis, als not-wendige Zwischenstufe für Wandlung. Dies kann z.B. eine Spirale sein, in die die TN hinein und wieder heraus gehen können, eine Brücke, über die sie gehen können, eine Berührungskette oder Berührung überhaupt, indem die Leiterin jede einzelne TN berührt und zur anderen Seite begleitet. Es sollte deutlich werden, dass es sich um eine Kraft handelt, die Veränderung ermöglicht, und dass nicht einfach so „die Seite gewechselt“ werden kann: Ich muss mich auf diese Kraft einlassen. Auf der anderen Seite angekommen werden die TN angeregt sich erneut auszutauschen, diesmal darüber, wo sie Heilung und Leben erfahren (können) und was es ihnen bedeutet. Auch hier ergänzt die Leiterin mit Informationen zum Text.

Vertiefung:
Wo es möglich ist, wäre es schön, der Tochter des Jairus und der geheilten Frau je einen Brief zu schreiben, was uns das Wissen um ihre Geschichte gegeben hat oder geben kann. Auch Briefe aus der Perspektive der biblischen Frauen nach zehn Jahren (an den Vater Jairus oder eine imaginäre Freundin) sind denkbar.
Wo dies nicht geht, ist aber an dieser Stelle ein Plenumsgespräch ratsam. Geben Sie den TN die Gelegenheit, sich zu dem Erlebten noch einmal zu äußern. Impulsfragen könnten lauten: Wie habe ich diese Übung erlebt? Haben diese Geschichten für mich eine Bedeutung? Was war für mich neu? Was nehme ich mit?

Abschluss:
Singen löst Spannungen. Ich schlage hier vor: Wo ein Mensch Vertrauen gibt (Thüringer Gesangbuch Nr. 648) und einen Zuspruch von Kurt Marti:

es ist ein wunder
was ist ein wunder?

gezeugt zu werden
zu zeugen
geboren zu werden
zu gebären
gelebt zu werden
zu leben
geschaffen zu werden
zu schaffen
geträumt zu werden
zu träumen
geliebt zu werden
zu lieben
gebraucht zu werden
zu brauchen
gedacht zu werden
zu denken
gefühlt zu werden
zu fühlen
gestorben zu werden
zu sterben

es ist ein wunder
ist es ein wunder?
es ist

Kurt Marti, Leichenreden. Mit einem Vorwort von Peter Bichsel, © 2001 Nagel&Kimche im Carl-Hanser-Verlag, Müchen – Wien

Ilona Eisner, 39 Jahre, arbeitet als Referentin in der Frauenarbeit der Föderation Evangelischer Kirchen in Mitteldeutschland EKM. Im Vorstand der EFHiD ist sie verantwortlich für Publikationen und daher auch Mitglied der Arbeitsgruppe ahzw

Literatur:
Bettina Eltrop: Denn solchen gehört das Himmelreich. Kinder im Matthäusevangelium, Stuttgart (Verlag Ulrich E. Grauer) 1996
Reimar Kakuschke (Hg.): Auferstehung – Tod und Leben, Göttingen (Vandenhoeck und Ruprecht) 1978
Anton Steiner, Volker Weymann (Hgg.): Wunder Jesu, Basel (Friedrich Reinhardt Verlag) und Zürich–Köln (Benziger Verlag) 1978
Arbeitsheft zum Weltgebetstag: Indonesien 2000

Anmerkungen
1
Eltrop, S. 56
2 Kakuschke, S. 21f

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