Ausgabe 2 / 2007 Bibelarbeit von Gerlinde Baumann

Für einen Rundlaib Brot

Prostitution im Alten Testament

Von Gerlinde Baumann

Prostitution war in alttestamentlicher Zeit – und ist bis heute – ein vielfältiges Phänomen. Mehrdeutig ist bereits das hebräische Wort, mit dem Prostitution bezeichnet wird: sonah/sanah. Als sonah kann eine Frau bezeichnet werden, die sexuelle Dienstleistungen gegen Bezahlung anbietet; es kann sich aber auch um eine Frau handeln, die ihre Sexualität nicht nur mit einem Mann oder nicht innerhalb einer ehelichen Bindung lebt.

Nicht zwangsläufig besitzt sonah/sanah einen negativen Klang; der ist vor allem mit der Charakterisierung der weiblichen Personifikation Israel und Jerusalem verbunden, was später auszuführen sein wird. Die Darstellung von Prostitution im Alten Testament beginnt mit zwei Schilderungen von Frauen, die als Pros tituierte bezeichnet werden. Von da 
aus wird der Blick auf weitere Aspekte von Prostitution gerichtet. Die übertragene Bedeutung steht im Mittelpunkt, bevor ein Blick in die altorientalische Umwelt eine ungewöhnliche Verknüpfung vorführt.

Tamar und Rahab

Tamar ist (Gen 38) die Schwiegertochter des Stammvaters Juda. Sie ist die Frau von Er, Judas ältestem Sohn. Doch Er stirbt, ohne Kinder gezeugt zu haben. Dem Brauch der Schwagerehe folgend muss die kinderlose Witwe einem Bruder des Verstorbenen zur Frau gegeben werden, damit so ein Blutsverwandter dem Verstorbenen Nachkommen verschafft. Entsprechend wird Tamar dem nächst jüngeren Sohn Judas zur Frau gegeben, Onan. Dieser aber verhindert, dass Tamar schwanger von ihm wird, bevor er ebenfalls stirbt. Tamar ist nun zweifache Witwe und immer noch kinderlos. In der patriarchalen Gesellschaft des Alten Israels ist dies ein schweres Schicksal – ohne  Ehemann und Kinder besitzt sie keine ökonomische Basis. Ihr Los wären Armut und große Not; sie wäre auf die Versorgung durch Almosen angewiesen. Noch aber hat Juda einen weiteren Sohn, mit dem Tamar von Rechts wegen verheiratet werden müsste: Schela. Doch dieser ist noch zu jung zum Heira ten. So wird Tamar in ihre Herkunftsfamilie zurückgeschickt. Ausdrücklich wird dabei die betrügerische Absicht Judas erwähnt, Tamar überhaupt nicht mit seinem letzten Sohn zu verheiraten. Tamar weiß darum und wendet eine List an: Sie verschleiert sich wie eine Prostituierte und setzt sich an die Straße, als Juda dort vorbeikommt. Er erkennt sie nicht und nimmt ihre sexuellen Dienste in Anspruch, ohne allerdings direkt dafür bezahlen zu können. Dafür hinterlässt er ihr ein Pfand; als er dies einlösen will, findet sich keine Prostituierte im Ort. Juda erfährt von Tamars Schwangerschaft und spricht als Familienoberhaupt das Todesurteil über sie, weil sie (sanah) sich prostituiert bzw. „Unzucht getrieben“ hat. Bereits hier wird deutlich, wie uneindeutig sanah ist. Kurz vor der Vollstreckung des Urteils macht Tamar öffentlich, dass sie von Juda schwanger ist. Juda erkennt, dass Tamar ihm gegenüber im Recht ist, und die Todesstrafe wird nicht voll streckt. Tamar bekommt Zwillinge und gewinnt durch sie eine Zukunft.

Was erfahren wir in dieser Erzählung über Prostitution? Unklar bleibt, ob Tamar – wie es sonst meist der Fall ist – durch eine wirtschaftliche Notlage zur Prostitution gezwungen wurde. Die Erzählung deutet eher auf eine Art „Samenraub“ hin, mit dem sie ihrerseits auf die Rechtsverweigerung ihres Schwiegervaters reagiert. Tamar kleidet sich als Prostituierte mit einem entsprechenden Gewand. Hier wird die Verschleierung erwähnt; an anderen Stellen ist von einem schwer zu deutenden „Prostituiertenzeichen“ die Rede (Hos 2,4) oder von einem „Prostituiertengewand“ (Spr 7,10). Eine Prostituierte muss um ihre Bezahlung bangen und sicherstellen, dass diese auch erfolgt. Als Lohn wird in diesem Fall ein Ziegenböckchen vereinbart, was – verglichen mit dem Rundlaib Brot, der in Spr 6,26 genannt ist – ein relativ hoher Preis zu sein scheint. Das Hebräische kennt sogar einen eigen Begriff für den Lohn einer Prostituierten (ätnan). Für eine Witwe wie Tamar scheint die außerehelich gelebte Sexualität ein strafwürdiges Vergehen gewesen zu sein, das hier sogar wie ein Kapitalverbrechen geahndet werden soll. Für einen Mann, zumal einen Witwer wie Juda (Gen 38,12), ist wohl der Kauf sexueller Dienstleistungen nicht mit Gefahren verbunden.

Als zweite Prostituierte begegnet uns in der Bibel Rahab (Jos 2,2-22; 6,17-25). Rahab wohnt in Jericho. Dort gehört ihr ein Gasthaus, in dem auch sexuelle Dienstleistungen angeboten werden. Diese Kombination ist im Alten Orient nicht ungewöhnlich (zur Schenkin Schamchat s.u.). Rahab ist nicht ver heiratet. Mit ihrer Arbeit ernährt sie ihr ganzes „Haus“ – ihre Eltern, die Schwestern und Brüder mit deren Kindern. Die theologische Einbindung Rahabs in die Heilsgeschichte Israels macht deutlich, dass sie keineswegs negativ eingeschätzt wird. Rahab ist die erste Kanaanäerin, die sich zum Gott Israels bekennt. Der positiven Beurteilung Rahabs schließt sich auch das Neue Testament an. Rahab wird unter anderem in der Ahnenreihe Jesu erwähnt (Mt 1,5) – wie auch Tamar (Mt 1,3).

Neben diesen Texten, in denen Prostituierte im Mittelpunkt stehen, gibt es eine Reihe kürzerer Erwähnungen von sonah/sanah, die ebenfalls aufschlussreich sind. Ohne weitere Bewertungen werden Prostituierte an mehreren Stellen genannt: Die Mutter Jephtahs (Ri 11,1) ist ebenso eine Prostituierte wie die Frau, deren Dienstleistung Simson (Ri 16,1) in Anspruch nimmt. Es sind zwei Prostituierte, über die Salomo sein legendäres Urteil spricht (1 Kön 3,16). Kritischer sehen die Sprichwörter in ihren Mahnungen die Prostituierten (23,27; 29,3): Sie bringen einen Mann um Geld und Leben. Vom Schicksal einer alt gewordenen Prostituierten erfahren wir in Jes 23,15-18: In diesem Spottlied durchstreift die als Prostituierte angeredete Stadt Tyrus die Straßen und singt dazu ihr „Hurenlied“. Eine Besonderheit dieses Textes ist, dass JHWH im Fortgang des Textes als Zuhälter dargestellt wird: Er sammelt den „Hurenlohn“ für die Seinen ein.

Ein Verbot der Prostitution gibt es im Alten Testament nicht. Zwar gelten eigene Regelungen für Priester; diese erstrecken sich aber nicht nur auf den Umgang mit Prostituierten (Lev 21). Priester dürfen weder Prostituierte  heiraten, noch dürfen sich ihre Töchter prostituieren (Lev 21,7-9). Daneben ist es einem Vater verboten, seine Tochter zur Prostitution anzuhalten (Lev 19,29). Die entsprechenden Bestimmungen  finden sich jeweils im Zusammenhang mit der besonderen Heiligkeit des Volkes und der Priester oder der Abwehr von nichtisraelitischen Kultpraktiken.

Tempel- und 
Zwangsprostitution

Neben der gewerbsmäßigen Prostitution durch unverheiratete, freie Frauen  werden im Alten Testament zwei weitere Bereiche der Prostitution erwähnt. In beiden Fällen sind allerdings in der  Forschung noch viele Fragen offen. Männer und Frauen können so genannte Kult- oder Tempelprostituierte sein 
(2 Kön 23,7); sie werden dann „Geweihte“ (qedeschim) genannt. Sie können kultische Funktionen unterhalb der priesterlichen Aufgaben wahrnehmen, etwa beim Opfern. Vermutlich leben sie nicht in Familien, sondern in Wohnungen am Jerusalemer Tempel. Ihre relativ größere sexuelle Freiheit und die Kritik an bestimmten Formen des Kultes hat wohl dazu geführt, dass sie in der späten Königszeit aus prophetischer und deuteronomistischer Sicht in abwertender Weise mit Prostitution in Verbindung gebracht werden 
(Hos 4,14; Dtn 23,18f; so Jost 130f). Umstritten ist, inwieweit die Institution der Prostitution an Tempeln im Alten Orient verbreitet war; die ältere Forschung hat sich mehrheitlich auf die späte und oft ins Legendenhafte gehende Schilderung des Griechen Herodot bezogen, der die Praxis selbst nur vom Hörensagen kannte (Jost 131f). Besser belegt sind für Mesopotamien Frauen (naditu), die klösterlich und zölibatär an Tempeln leben.

Ebenfalls vor dem altorientalischen Hintergrund ist eine zweite Form der Prostitution zu verstehen, die in unserer Zeit wieder stärker ins Blickfeld rückt: die Zwangsprostitution. Im Alten Testament und seiner Umwelt ist diese Form der sexuellen Ausbeutung im Rahmen der Sklaverei zu betrachten, denn  Sklavinnen – seltener Sklaven – können zu sexuellen Dienstleistungen heran gezogen werden. Verbreiteter als im altorientalischen Raum ist dies allerdings in der griechisch-römischen Kultur. Möglicherweise steht in Am 2,7 die Zwangsprostitution im Hintergrund, wenn davon gesprochen wird, dass „ein Mann und sein Vater zu demselben Mädchen gehen“. Hier wäre zu fragen, ob eine Magd einer Großfamilie als  Prostituierte dient. Eine etwas andere Situation liegt der Rechtsbestimmung zum Umgang mit weiblichen Kriegsgefangenen (Dtn 21,10-14) zugrunde: Ein Mann hat Gefallen an einer Kriegsgefangenen gefunden und sie geheiratet. Im Fall einer Scheidung ist die Frau unter besonderen Schutz gestellt – sie darf nicht als Sklavin weiterverkauft werden. Als Begründung für diese Sonderbehandlung wird (Dtn 21,14) angegeben: „Denn du hast ihr Gewalt angetan.“ Der hier gewählte Terminus 'anah II bezeichnet an anderen Stellen Bedrückung und Vergewaltigung. Es kann also davon ausgegangen werden, dass eine solche Frau in der Ehe Gewalthandlungen ausgesetzt war. Eine ähnliche Verknüpfung von Prostitution und Gewalt kann hinter Gen 34,31 liegen; dort sagen die Brüder der Dina über ihre vergewaltigte Schwester, dass die Vergewaltiger mit ihr wie mit einer  Prostituierten umgegangen seien.

Die „Hurerei“ der „Frau Israel“

In den prophetischen Büchern des Alten Testaments wird die Beziehung von Gott/JHWH und Israel oder Jerusalem an einigen Stellen mit einem Sprachbild  illustriert: Israel und Jerusalem werden als Frauen dargestellt, deren Ehemann JHWH ist. Die Beziehung wird so ge schildert, dass „sie“ von ihm „weghurt“ (sanah), d.h. mit anderen „Männern“ sexuell verkehrt. Die Liebhaber oder Konkurrenten JHWHs können andere Gottheiten sein wie Baal (Hos 1-3) oder Großmächte 
wie Ägypten, Assyrien und Babylonien 
(Ez 16; 23). „Sie“ kann nicht anders, als „ihm“ untreu zu sein. „Er“ geht unterschiedlich mit „ihrer“ Untreue um: „Er“ wendet sich von „ihr“ ab und lässt sich scheiden (Hosea; Jeremia) oder übergibt „sie“ ihrer Bestrafung durch ihre Ex-Lieb haber, durch die „sie“ zu Tode gebracht wird (Ez 16 und 23). Häufig wird als  Strafe auch eine öffentliche sexuelle Demütigung oder Vergewaltigung erwähnt. Im Neuen Testament wird das Sprachbild 
in der Offenbarung des Johannes (Offb 17; 19,2) aufgenommen, wenn Rom als „Hure Babylon“ bezeichnet wird.

Von Prostitution im eigentlichen Sinn kann bei diesem Sprachbild nicht gesprochen werden, da keine Bezahlung erfolgt. Allerdings wird auf Prostitution in diesen Texten angespielt: „Sie“ nimmt bei Ezechiel noch nicht einmal „Hurenlohn“ (ätnan), sondern gibt ihn „ihren“ Liebhabern sogar noch. Vor allem aber werden „sie“ und ihr Tun mit den Begriffen sonah/sanah gekennzeichnet. Dadurch verändert sich die Bedeutung des Wortes für Prostitution stark zum Negativen hin. An einigen Stellen wird sanah als ähnlich oder gleich bedeutend mit „Ehebruch begehen“ verwendet. Damit ist nicht mehr Prostitution im ökonomischen Sinn gemeint. „Unzucht“ oder „Hurerei  treiben“ ist denn auch eine häufig gewählte Übersetzung des Wortes, die den moralisch abwertenden Klang in den alttestamentlichen Texten wiedergeben soll.

Warum entwerfen die prophetischen Texte dieses drastische Sprachbild? Die Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten. Vermutlich ist es auch in alt testamentlicher Zeit als anstößig wahrgenommen worden. Es sichert den  prophetischen Warnungen vor einem Abfall Israels und Jerusalems von JHWH eine hohe Aufmerksamkeit. In späteren Texten wird das Sprachbild aufgenommen, um mit ihm den Untergang des Nordreichs Israel, die Zerstörung Jerusalems und das babylonische Exil zu  erklären: „Sie“ hat selbst Schuld an ihrem Schicksal. Für Frauen aber ist die Wirkung der Texte bis heute noch eine andere: Einerseits verschwimmen in ihnen Prostitution und Ehebruch, andererseits wird männlich-göttliche Gewalt als legitime Reaktion auf das Verhalten der Frauen dargestellt. Umso wichtiger ist es, bei der Arbeit mit diesen Texten auf diese Problematik hinzuweisen.

Die Prostituierte als 
Zivilisationsbringerin Im Unterschied zur übertragenen  Verwendung von sanah/sonah im Alten Testament ist die altorientalische Bewertung von Prostitution erst einmal nicht negativ getönt oder wird mit zügelloser Sexualität in Verbindung gebracht. Im mesopotamischen Gilgamesch-Epos 
(I, 167-205) aus dem 1. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung ist sogar das Gegenteil der Fall: Die Schenkin und Prostituierte Schamchat ist diejenige, die dem wilden Enkidu die Kultur nahe bringt. Enkidu lebt wie ein Tier, bevor er Schamchat trifft. Nachdem er durch sie die Sexualität kennen gelernt hat, versteht er auch die menschliche 
Sprache und „kommt zu Verstand“. Die  Prostituierte Schamchat erscheint hier als Bringerin und Vermittlerin von Kultur und Zivilisation; von einer moralischen Abwertung ist nichts zu spüren.

Fazit

Prostitution im Alten Testament und  seiner Umwelt lässt sich nicht auf einen knappen Nenner bringen. Die Tendenz zur Abwertung von „hurerischen Frauen“ beginnt aber wohl erst mit der über tragenen Verwendung des Wortes. Vorher ist Prostitution ein Teil der Lebenswirklichkeit, die weder positiv noch negativ gewertet wird. Generell ist Vorsicht geboten, wenn heutige moralische Bewertungen von Prostitution und  
Pros tituierten auf den Alten Orient und das Alte Israel übertragen werden.

Im Hintergrund von Prostitution steht mit Sicherheit in den meisten Fällen die Armut der betreffenden Frauen. Für verwitwete Frauen, die nicht mehr durch ihre Herkunftsfamilien abgesichert sind, besteht in der Prostitution mitunter die einzige Möglichkeit zur Sicherung des Lebensunterhalts für sich oder ihre Kinder. Hieran hat sich – global gesehen – bis heute wenig geändert.

Für die Arbeit in der Gruppe

Ziel: Die Frauen überdenken ihre Vorstellungen und Bilder von Prostitution. Sie erfahren, dass die Gründe für Prostitution im Alten Testament vielfältig sind. Sie versuchen, einige Problemfelder heutiger Prostitution zu verstehen.

Zeit: ca. 1 Stunde

Material: 
– ein Stück Gardine (kann auch eine ganze sein, z.B. ein Teil Scheibengardine) oder dünner weißer Stoff als Schleier
– eine Frauenfigur oder eine Karte mit einem Frauenbildnis
– nach Anzahl der Teilnehmerinnen: halbierte DIN A 4 Blätter in weiß und in einer anderen Farbe; Stifte, 
Wollfäden (ca. 1 Meter lang)
– vorbereitete Blätter, auf denen jeweils eine Figur der Tamargeschichte steht: Juda, Onan, Schela, Schwiegermutter (bei Gruppen mit mehr als 20 Frauen ist es empfehlenswert, jeweils zwei Blätter mit einem Namen vorzube reiten und die Gruppengröße entsprechend zu verändern).
– Text Gen / 1. Mose 38 (Übersetzung nach Wahl) oder aus dem Beitrag oben der Text „Tamar und Rahab“ bis zu dem Satz: „Tamar bekommt Zwillinge und besitzt durch sie eine Zukunft.“ (Nach Anzahl der Kleingruppen jeweils eine Kopie des ausgewählten Textes oder eine Bibel; AbonnentInnen können den Text aus diesem Beitrag herunterladen und als Kopiervorlage nutzen; die Übersetzung Gen 38 von Jürgen Ebach für die Bibel in gerechter Sprache finden AbonnentInnen unter Service / zum Herunterladen / Materialarchiv – Material zu ahzw 4-2004.)

Ablauf:
1 Auf dem Fußboden oder auf einem großen Tisch werden die Gardine bzw. der Schleier und die Frauenfigur bzw. das Bild als Mitte aufgebaut. Die Leiterin weist einleitend darauf hin, dass es heute um eine alttestamentliche Frauengestalt namens Tamar geht. Der Text Genesis 38 oder der oben benannte Abschnitt aus dem Artikel wird vorgelesen.

2 Die Frauen teilen sich in Gruppen von mindestens 2, höchstens 5 Personen auf. Jede Gruppe erhält die Textgrundlage (Kopie oder Bibel), pro Person einen Stift und weiße leere Blätter sowie ein Blatt mit dem Namen einer Figur aus der Tamargeschichte. Die Gruppen sollen sich ca. 15 Minuten damit beschäftigen, wie „ihre“ Figur die Frau Tamar sieht (Vorwürfe, Einschätzungen, Bezeichnungen usw.). Die Leiterin weist  darauf hin, dass die Frauen dabei durchaus ihre Phantasie einsetzen sollen, also über den Text hinaus gehen. Die Frauen schreiben ihre Ergebnisse auf die Zettel (pro Aussage ein Zettel).

3 Die Zettel werden zu dem Schleier getragen und um ihn herumgelegt (bitte mit etwas Entfernung in der Länge der Wollfäden). Frauen aus den Gruppen lesen ihre Ergebnisse vor und legen danach jeweils einen Wollfaden vom Zettel zum Schleier hin.

4 Die Leiterin vermittelt der Gruppe anhand des Beitrags oben einige Informationen zur Bewertung von Prostitution und Prostituierten im Alten Testament.

5 Je nach verfügbarer Zeit gehen die Frauen wieder in ihre Kleingruppen oder es wird zusammen gearbeitet. Die andersfarbigen Zettel werden verteilt und die Frauen formulieren Bedingungen, die nötig sind, damit Frauen nicht in der Prostitution den einzigen Ausweg aus ihrer Lage sehen müssen. Das können sowohl emotionale Aspekte (wie Liebe, Zuwendung usw.) als auch gesamtgesellschaftliche Faktoren (wie Grundabsicherung für Frauen usw.) sein. Nach wiederum 15 Minuten werden diese Zettel an das Ende der Wollfäden am Schleier gelegt (so dass nach Möglichkeit an jedem Ende eines Fadens ein Zettel liegt).

6 Zum Abschluss stellen sich die Frauen im Kreis um die Ergebnisse. Die  Leiterin beschließt die Runde mit einem Gebet, z.B. EG 928 oder Psalm 104,4-9.23-32 (EG 747.2 und 747.3).

Dr. Gerlinde Baumann, Jg. 1962, ist Privatdozentin für Altes Testament an der Philipps-Universität Marburg und Pfarrerin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind das Alte Testament in der altorientalischen Welt, das Gottesbild des Alten Testaments und darin besonders die Gewalttätigkeit Gottes sowie hermeneutische Fragestellungen und feministische Exegese.
Den Vorschlag für die Bibelarbeit in der Gruppe hat Hanna Sauter-Diesing, Pfarrerin in Rheinberg und Mitglied der Arbeitsgruppe ahzw, beigesteuert.

Verwendete Literatur:
Gerlinde Baumann, Liebe und Gewalt. Die Ehe 
als Metapher für das Verhältnis JHWH-Israel in den Prophetenbüchern, SBS 185, Stuttgart 2000.
Renate Jost, Von „Huren“ und „Heiligen“. 
Ein sozialgeschichtlicher Beitrag, in: Hedwig Jahnow u.a., Feministische Hermeneutik und Erstes Testament. 
Analysen und Interpretationen, Stuttgart u.a. 1994, 126-137.
Hannelies Schulte, Beobachtungen zum Begriff der Zônâ im Alten Testament, ZAW 104 (1992), 255-262.

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