Alle Ausgaben / 2008 Material von Ilona Helena Eisner

Maria in den Erdbeeren

Jahreslosungskarte 2009 der EFiD

Von Ilona Helena Eisner


Schauen Sie sich das Bild genau an…

Es wird dominiert von der Figur der Himmelskönigin in der Mitte.

Maria, im blauen Umhang mit einer überdimensionalen Krone, sitzt in einem wunderschönen Garten und liest. Sie neigt sich dem „Jesuskind“ zu, welches zu ihrer Linken sitzt und hält in der Hand eine weiße Rose.

Wenn wir unseren Blick schweifen lassen, erkennen wir im Hintergrund zwei Rosenbüsche, links einen weißen, rechts einen roten, und der Boden des Gartens ist übersät mit Erdbeeren.

Das Bild „Madonna in den Erdbeeren“ ist um 1425 von einem unbekannten oberrheinischen Meister gemalt worden und befindet sich heute im Besitz des Kunstmuseums Solothurn in der Schweiz. Es ist auf Fichtenholz gemalt und wahrscheinlich aus Anlass des Todes eines Kindes gestiftet worden. Das Bildmotiv der Unterrichtung des Jesuskindes weist ebenso darauf hin, wie das Motiv der Erdbeeren. Im mittelalterlichen Volksglauben ging man davon aus, dass sich die Seelen verstorbener Kinder von Erdbeeren ernähren.

Was ist nun das Besondere an Erdbeeren?

Eine Pflanze trägt gleichzeitig Knospen, Blüten, grüne und rote Früchte und bildet neue Ableger aus. Sie ist ein  Symbol für den Fluss des Lebens und die Verbindung der Generationen.

Wie kleine Heckenrosen sehen die Blüten aus. Fünf weiße Blütenblätter sind kein Zufall, denn die Erdbeere gehört zur Gattung der Rosengewächse. In der mittelalterlichen Mystik stehen die Blütenblätter symbolisch für die fünf Wunden Jesu. Darüber hinaus steht die Farbe Weiß für Weisheit, Keuschheit und Reinheit. Somit ist die Erdbeerblüte ein Christus- und Mariensymbol. Wie die Rose nun die Königin der Blumen ist, ist die Erdbeere die Königin der Früchte. Drei Königinnen sind vereint auf einem Bild!

Das dreigeteilte Blatt der Pflanze ist ein Symbol für die Trinität, die Einheit Gottes in der Verschiedenheit. Auch wenn die Blätter der verschiedenen Sorten unterschiedlich sind – dreigeteilt sind sie alle. So können sie uns auch heute noch Symbol sein für unsere verschiedenen Vorstellungen, Erfahrungen und Ausdrucksweisen von Gott und Gottesbeziehungen.

Warum aber zur Jahreslosung dieses Bild?

„Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“ Es gäbe verschiedene Möglichkeiten zu antworten, was die Gottesmöglichkeiten von den unsrigen unterscheidet. Mir gefällt das Zitat des englischen Arztes und Autors William Butler (um 1600): „Zweifellos hätte Gott eine bessere Beere erschaffen können, aber ohne Zweifel hat Gott das nie getan.“ Diese Vollkommenheit der Schöpfung, die sich nur ansatzweise in der Erdbeere zeigt, ist eben der Schöpferkraft Gottes vorbehalten. Uns bleibt es, sie wahrzunehmen, zu schätzen, zu achten und zu genießen. Lassen Sie sich die Erdbeeren einfach auf der Zunge zergehen.


Ilona Helena Eisner

Bezug der Jahreslosungskarte „Maria in den Erdbeeren“ bei:
Ev. Frauen in Deutschland e.V. (EFiD), Berliner Allee 9-11, 30175 Hannover, Tel.: 0511-89 768 300, Fax: 0511-89 768 399,
E-Mail: info@evangelischefrauen-deutschland.de

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