Alle Ausgaben / 2012 Material von Jesús Mentero Tirado

Sonidos de la Tierra – Klänge der Erde

Von Jesús Mentero Tirado

Zwölftausend Jungen und Mädchen, Jugendliche und -junge Erwachsene aus 165 Gemeinden des Landesinneren bringen Paraguay zum Klingen. Es sind Kinder, die täglich das Wehklagen und Weinen unserer leidenden Familien in Paraguay hören; Kinder, die bereits die seltsamen und einschüchternden Geräusche der korrupten Finsternis kennen, die unser Land verdunkeln; aber diese Kinder gehen ganz auf in den Klängen unserer Heimat und aus der Perspektive ihrer „klingenden Einsamkeit“, haben sie die versteckte, „stille Musik“ entdeckt, die sie in sich tragen.

Die Äußerungen vieler Mitbürger über Paraguay klingen wie ein Trauermarsch. Sie warten darauf, dass ihnen irgendein Messias Hoffnung auf einem Tablett serviert. Diese Jungen und Mädchen aber sind aktiv. Sie setzen sich für die Zukunft ein und sind selber eine Quelle der Hoffnung. Sie zeigen uns, dass ein anderes Paraguay möglich ist: Dass Disziplin ohne Strafe, großzügiger Einsatz im Glauben an sich selbst, Studium, Arbeit, Kreativität und Lernbereitschaft den leblosen Instrumenten Musik entlocken und allen Geräuschen und Klängen der Erde Harmonie und Schönheit.

Diese Kinder zeigen, dass es möglich ist, sich im Zusammenklang zu vereinen trotz der Unterschiede und Distanzen, die sie trennen; dass sie lernen gut zusammenzu-spielen und so zeigen, wie unterschiedliche Menschen solidarisch zusammenleben können; dass es möglich ist, anstatt des Rohstoffes ein fertiges Produkt zu exportieren, die Frucht unserer Arbeit und nicht nur unsere Gehirne. Sie beweisen, dass man Botschafter sein kann ohne staatliche Botschaft. Sie sind in der Welt als Paraguayos bewundert und ernten Beifall von Menschen aller Kulturen. Diese
Kinder lassen den Traum von der Befreiung aus der Armut wahr werden: Befreiung von der wirtschaftlichen Armut durch professionelle Qualifikation, Befreiung von der sozialen Armut durch Kontakt zum Publikum und zu den Netzwerken der Weltmusik; Befreiung von der intellektuellen Armut durch diszipliniertes Lernen von historischen Meistern und Befreiung von der ästhetischen Armut durch die Kunst.

Sonidos des la Tierra ist mehr als Musik, es ist eine kulturelle und soziale Bewegung mit einem rasanten Rhythmus. Es ist ein Lehrstück für die Nation, wie ein Samenkorn das aufgeht, wächst und blüht, um eine Vielzahl an unvorhersehbaren Früchten zu tragen. Es ist die Ernte einer anderen Art des Sehens und Lehrens, des Vertrauens in das Potential, das in unseren unverstandenen und unterschätzten Kinder schlummert, um sie zu rüsten und ihnen Flügel zu verleihen, damit sie zu den Sternen fliegen können.

Information zum Hintergrund
Nach dem Motto „Wer tagsüber Mozart spielt, wirft nachts keine Fensterscheiben ein“ gründete der Komponist und Dirigent Luiz Szarán 2002 das soziale Musikprojekt „Sonidos de la Tierra“ in Paraguay – heute ein landesweites Netzwerk von Musikschulen, Orchestern, Chören, Seminaren und Musikfesten. Die Schülerinnen und Schüler stammen nicht nur aus der Mittelschicht, sondern kommen von der Straße, sind Kinder von Müllsammlern, leben in abgelegenen Dörfern oder gehören indianischen Gemeinschaften an. Neben der Förderung musikalischer Talente geht es in diesem Projekt vor allem darum, den Kindern und Jugendlichen einfach Freude an der Musik und das reiche musikalische Erbe Paraguays nahe zu bringen und sie durch das gemeinsame Musizieren Disziplin, Ausdauer, Zielstrebigkeit und Gemeinsinn lernen zu lassen. Auf Initiative junger Musikerinnen und Musiker aus Deutschland, die als Freiwillige im Programm Sonidos de la Tierra oder in der Gandhi-Ashram-Schule, einem vergleichbaren indischen Projekt mitarbeiteten, entstand 2006 das internationale Musikprojekt „Weltweite Klänge“. Dessen Leitung übernahm Luis Szarán ebenfalls. –
mehr Informationen unter www.jesuitenmission.org/weltweite-klaenge

leicht gekürzt aus:
Klangwandel –
Über Musik in der Mission
hgg. v. Verena Grüter und Benedict Schubert
Evangelisches Missionswerk in Deutschland e.V.
Hamburg 2010

© Foto: Jesuitenmission

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